Gemeinde Erdweg soll bunt werden

 

Das Wirtshaus am Erdweg erfüllt wieder seine historische Aufgabe. Jetzt zieht noch die Kultur ein, damit ein Zentrum für die Gemeinde entsteht.


Nachdem das historische Wirtshaus liebevoll restauriert wurde und eine gut gehende Wirtschaft einzog, fehlt ein kulturelles Programm. Ein Verein unter der Leitung von Gesa Blaas will die Lücke schließen

Von Benjamin Emonts, Erdweg

Es hat sich viel verändert im Wirtshaus am Erdweg, verschwunden sind der bröcklige Putz, der Staub auf den Böden, das marode Gebälk und die schuftenden Bauarbeiter. Stattdessen genießen Radfahrer, Dorfbewohner und Auswärtige inzwischen das historische Ambiente in der frisch renovierten Wirtsstube. Schon jetzt, sagt Erdwegs Bürgermeister Georg Osterauer, "ist das Wirtshaus eine Aufwertung für die ganze Gemeinde." Was jedoch zu seiner Vollkommenheit noch fehlt: "Es muss mit kulturellem Leben gefüllt werden."

Um das ambitionierte Ziel zu erreichen, haben Erdweger Bürger einen Kulturverein gegründet. In zehn Gemeinden des Landkreises Dachau ist solch ein Verein, der sich ausnahmslos kulturellen Aufgaben verschreibt, bereits vorhanden. In der Gemeinde Erdweg aber, die für ihre Vielfalt an Vereinen bekannt ist, lief das kulturelle Leben bisher überwiegend in den einzelnen Ortschaften ab. Erdweg selbst fehlte schlicht ein geeigneter Treffpunkt des kulturellen und gesellschaftlichen Austauschs - oder kritischer formuliert: Der Ortschaft fehlte das Gesicht.

Nun aber wurde am 9. Mai nach jahrelanger, größtenteils ehrenamtlich geleisteter Arbeit das renovierte Wirtshaus am Erdweg offiziell eröffnet. Die vormalige Tafernwirtschaft, erstmals erwähnt im 15. Jahrhundert und für Reisende einst ein Treffpunkt des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens, stand seit 2006 leer. Inzwischen bieten die Wirtsleute Ekl sechs Tage die Woche ihre bayerisch-regionale Küche in dem historischen Gemäuer an. Die Erdweger, so wird am ortseigenen Fußballplatz geplaudert, seien - "Grantler gibt's immer" - sehr zufrieden mit ihrem neuen Ortsmittelpunkt. Wirt Hubert Ekl teilt diesen Eindruck, er sagt: "Es macht große Freude, in dem besonderen Ambiente zu arbeiten."

Einzig das Leben außerhalb von Wirtsstube und Biergarten muss noch erblühen in dem Haus, so die einhellige Meinung. Schließlich sei besonders der große Tafernsaal "wie prädestiniert für Kulturveranstaltungen", sagt Bürgermeister Osterauer. Ein den Ansprüchen gerechtes, kulturelles Programm soll nun der Kulturverein Erdweg e.V. entwerfen. Dafür soll er das vielfältige Kulturangebot, das die vielen Vereine und Gruppen aus der Gemeinde bieten, miteinander verknüpfen und als Kommunikator fungieren.

Der Geburtsstunde des Vereins wohnten in dieser Woche immerhin 49 kulturinteressierte Bürger aus Erdweg und den umliegenden Ortsteilen bei, darunter die drei Bürgermeister der Gemeinde, zahlreiche Gemeinderäte sowie ortsansässige Künstler aus allen Sparten. 30 Personen haben auf der Gründungsveranstaltung bereits schriftlich ihre Absicht erklärt, Mitglieder des Vereins werden zu wollen. Am Ende des Abends wurde eine Satzung verabschiedet und der Vorstand gewählt.

Als erste Vorsitzende wurde auf Vorschlag von Bürgermeister Osterauer die Großberghofenerin Gesa Blaas bestimmt. Blaas, 51, Bauingenieurin, betreibt in Schwabhausen ein Atelier für Malerei und Mosaikkunst. Zuletzt hat die gebürtige Schleswig-Holsteinerin am neuen Erdweger Bahnhof das Projekt "Bahn wird bunt" verwirklicht. Bürgermeister Osterauer lernte Blaas über das Projekt kennen. "Sie ist sehr engagiert und hat ein ausgleichendes Gemüt", beschreibt er die neue Vereinsvorsitzende.

2015 06 18 erdweg soll bunt werden neuer kulturvereinGesa Blaas (blau gekleidet), Vorsitzende des Kulturvereins Erdweg, Stellvertreterin Gudrun Huber (grün), Kulturreferent Manfred Kircher (rechts). (Foto: Privat)

Blaas hat klare Ziele, die sie mit dem Kulturverein realisieren möchte. "Wir wollen das Leben in der Gemeinde bunter machen und Raum für jegliche Kulturform schaffen", sagt sie. Dafür müsse der Verein freilich erst zusammen wachsen, so wie "sich auch das Bild Erdwegs nach außen allmählich verändern soll".

Blaas schwebt vor, jährlich bis zu vier größere Veranstaltungen zu realisieren: ein Konzert von Jugendlichen für Jugendliche, ein bunt gemischtes Weihnachtskonzert mit vielen Musikgruppen aus der Gemeinde, eine große und vielfältige Kunstausstellung, ein klassisches Konzert. Dazwischen könnte der Verein spontan Lesungen, Tanzveranstaltungen und kleinere Konzerte ins Wirtshaus holen, denkbar sei dabei auch "Kulinarik mit Musik oder Dichtung zu kombinieren", so Blaas. Auf große Namen soll ihr zufolge zunächst verzichten werden. "Ich werde nicht gleich Luise Kinseher nach Erdweg holen."

Der Erdweger Kulturreferent Manfred Kircher misst dem Verein für die Kulturarbeit innerhalb der Gemeinde "große Bedeutung" zu. "Er soll das ohnehin schon gute Kulturangebot ergänzen und verknüpfen." Die Gemeinde Erdweg hat für kulturelle Arbeit erstmals 10 000 Euro in ihrem Haushalt bereitgestellt - auch für den Kulturverein. Blaas möchte ihre Ideen auf der ersten Vollversammlung des Vereins zur Diskussion stellen. "Die Mitglieder sollen entscheiden, in welche kulturelle Richtung das Programm gehen soll." Zur Absprache und Ideenfindung gemeinsamer Projekte soll unter Beteiligung vieler Vereine schon bald ein Kulturstammtisch ins Leben gerufen werden.

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